Thursday, October 18

lektüre

in der Zwischenzeit:

Und wenn ich dieses Zustands mich erinnere, möchte ich glauben, daß der Haschisch die Natur zu überreden weiß, jene Verschwendung des eigenen Daseins, das die Liebe kennt, uns -minder eigennützig- freizugeben. Wenn nämlich in den Zeiten, da wir lieben, unser Dasein der Natur wie goldene Münzen durch die Finger geht, die sie nicht halten kann und fahren läßt, um so das Neugeborene zu erhandeln, so wirft sie nun, ohne irgend etwas zu hoffen oder erwarten zu dürfen, und mit vollen Händen dem Dasein hin.
Walter Benjamin, Haschisch in Marseilles
kontaktaufnahme

für den Betrachter nicht zu merken, aber nicht mehr die Sonne des Südens aber Nebel der Hauptstadt sobald der Blick des Bildschirms enthoben. An dieser Stelle noch das letzte Zucken, in Arbeit ein greymatter betriebener Komfortblog. Alles weitere dann.

Friday, July 13

ya esta

Von der Mittelmeerküste zum Ufer des Landwehrkanals.

vielleicht dann auch wieder hier.

interrupción imprecisa - pasáos bien.

Wednesday, July 11

hafenkneipe

an der Münzmaschiene, weisses Hemd, schwarze Lackschuhe, stakkato auf den Tasten, die andere Hand Kippe oder Fantadose, kommt die Hand kurz zur Ruhe, der messerscharfe Zeigefingernagel.
Fernseher oben an der Wand, spanische Operndiva aus vollem Hals. Drunter und damit zwischen Glücksritter und cantautora, sonnenbebrillt, wenig Haare zum verteilen auf dem dicken vom Alkohol gedunsenen Haupt, teilt seine Beobachtungen mit keinem Gegenüber, jedoch pausenlos, bis der gewünschte Bocadillo zur Hand und draussen noch von dannen trottend zu sehen.
Mein Bier bezahlen, tu handret, soviel Englisch ist man dem Seewind schuldig, der von den Kränen und Frachtern draussen Öl und Salz reinweht. Und an der nächsten Ecke kein Blick von den kniehohen schneeweissen Lackstiefeln. Fahraddfahrer sind eben keine Matrosen.

Monday, July 9

indisch

laut 'El Pais' werden in Indien jährlich mehr Filme gedreht als in Hollywood. Quantität damit nicht ausschlaggebend für kulturelle Hegemonie? Genausowenig wie dem Cineasten mangelt es auch den Heiratswilligen in Indien scheinbar nicht an Auswahl, und Suche gezielt nach Kasten ist gleichfalls möglich. The Hindustan Times Matrimonial Search

ham noch 7 Meter

quasi von der Abschlussfahrt ins Baskenland zurückgekehrt, daher gabs auch seit langem nichts neues aus dem Westen.
Und nun endgültig meine vertragliche Beziehung zum spanischen Provider beendet.
Noch eine Woche zum verabschieden sowie das hier abzuschliessen.

Friday, June 22

fotoprofessionale

Öffnungszeit: 5 bis 9. Nur Nachmittags. Und der Rolladen ist um 6 immer noch unten. Draussen warten bereits ein 60-Jähriger, schmal und klein, unrasiert, Hemd rosa, Brille getönt. Ein 35-Jähriger im Polohemd, zwei Kamerararitäten in den Lederetuis am Handgelenk. “Ajez kommt immer bisschen später. Gerade wenns heiss ist.” Also Stammpublikum. Gleich mal das zum Verkauf mitgebrachte Objektiv schätzen lassen, zur besseren Orientierung später. “3.000 wird er bieten, kannst aber auch 7 verlangen.” So der im Polohemd und zum Dank bewundere ich ein wenig seine Kameras andächtig zu fachkundiger Erklärung. Sofort Abschätzung meiner Position in der imaginären Ladenhierarchie, deren Sprossen allein durch Fachwissen erklommen werden. Freiwillig ganz nach unten begeben als auf die Frage nach der Wunschkamera nicht mal mit bestimmter Marke, sonder nur “irgendeine Alte, Mechanische, ohne viel Elektronik” geantwortet. Ajez kommt auf nageleneuem Motorrad, Laden auf, Klimaanlage an, wer will was. Während der im Polohemd unidentifizierbare Teile einer alten Mittelformat gegen seine Kameras tauscht, immer wieder der durchdringend taxierende Blick von hinter dem Tresen in die Wartenden. Geschäftsstrategiebildung. Bin fest entschlossen, das Objektiv erst im letzten Moment ins Sichtfeld zu bringen. Ajez zwischendurch Spiegelreflex an anderen Laien verkauft, Telefonanruf, Zigarette drehen, Begrüssung dreier reinkommender Stammkunden. “Ajez, wie läufts?” - “Miserabel, brauch die Evitex T-3, gibts nichtmal im Internet, vielleicht musst Du bald mal ne kleine Reise machen, Juan. - Nächster?”
Spanisch mit russischem Akent, 5 Taschen über der Schulter, leise und erregt. Tausch, Verkauf, Kauf. Altes, goldfunkelndes, Rares. “Gehts auch schicken von Madrid, der Geld?” Letztemal wars nur bis 500.000 möglich. “Frag bei der Bank nach Perez, ist ein Freund, wenns irgendwie Probleme gibt.” - “Danke, fahr nach Frankreich noch mal hier vorbei, so in zwei Monaten”.
Ist hier wohl nicht der Fotoladen an der Ecke. Marktplatz der Fotoprofessionalen. Mitmischen als Vollbeschäftigung. Bahnhof, Hotel, Fotoladen, Stationen der Städtereise. Und natürlich hat Ajez auch einen Spezialisten an der Hand, für meine andernorts als unreparierpar bescheinigte Kamera. Objektiv also behalten.

Thursday, June 21

sónar

ein Teil der Popkultur-Elite feiert sich selbst. Schöne junge Menschen sitzen auf dem sonnigen Kunstrasen im Museum de Arte Contemporaneo; auf dem Boden der Kirche, der Altar ein DJ vorm Mac. Ausstellung über den musikproduzierenden Teil, das “invisible London”. Die Hälfte macht Konzertmitschnitte und selbstverständlich ausschliesslich digital. Abends dann der Szenenwechsel raus in die Halle. Vorher was essen, aber wo sonst unauffälliges Lokal und Geheimtip ausserhalb normaler Touristenpräferenz, jetzt alles voll. Am ersten Abend fragen die Taxifahrer noch nach, dann bloss noch 'joder, otra vez'. Eine Bühne draussen, zwei Hallen, die grosse fasst dreimal soviel Leute wie Madonnas letzte Woche. Jeff Mills füllt sie mit wogender Masse. Außerdem Aphex Twin, Carl Cox, Plaid, Squarepusher. Und khan aus Köln, die Könige. Rundrum zufrieden wieder zu Hause. Mainstream der Minderheiten.

Tuesday, June 19

Schach

die letzte Zeit im Nachbarschaftsduell, und auf der Terasse in Valencia sitzend damit unwissentlich zurück zu den (zumindest westlichen) Wurzeln:
Nach Europa kam das Spiel durch die die Iberische Halbinsel erobernden Araber im 8. Jahrhundert.
Zudem hat sich das Spiel im 14. und 15. Jh. parallel mit der geschichtlichen Entwicklung in Europa und der ganzen Welt enorm verändert. Ob tatsächlich die Erfindung der Artillerie und die entfernungsüberwindenden Fahrten der portugiesischen und spanischen Seefahrer die neue Langschrittigkeit der Schachfiguren inspiriert haben, mag dahingestellt bleiben, sicher ist sie aber ein Ausdruck des neuen weltbeherrschenden Tempos. [Vortrag Humboldtgesellschaft]


Mit der Geschwindigkeit leuchtet ein, bleibt die allen Regeln trotzende Rochade. Sind ja sonst recht klar und fest reglementierte Zugmöglichkeiten und plötzlich springt der Turm und der König hechtet zwei Felder weit. War kreativ, die das einführte, nahezu komplett aus dem System zu denken und damit das Spiel zu bereichern.
Und damit wieder zurück an ronsens zu den Eigenarten des Ballsports

Wednesday, June 13

Spielregel

im Sinne der Disturbing Search Requests landen bei mir hauptsächlich Aspiranten auf Informationen zu verschiedenen Dialekten. Ist ja auch nicht verwunderlich. Gibt aber keine Sachsenwitze oder Genealogie des Platt. Eher eine ganz banale postpubertäre Lektüre täglicher Widersprüche. Und was davon im Bezugssystem Weblog mit den antizipierten Lesenden (ein paar rechts aufgeführt), dem unvermeidlichen Distinktionsbedürfnis und dem Konkurrieren in der irgendgearteten Aufmerksamkeitsökonomie dem solcherart Beschränkten zu beschreiben übrig bleibt. Um mal die Karten auf den Tisch zu legen, was aber keinesfalls das gleiche ist, wie das Spiel.

Monday, June 11

vision-control

Digitales Fernsehen (in Spanien schon im Masseneinsatz) machts möglich. AT&T testet in den USA gerade das adressierte Werben. Dabei wird streng nach Konsumentenprofil nur das beworben, was auch mit Wahrscheinlichkeit Verlangen weckt. Bei Werbung vielleicht am ehesten zu verschmerzen, wenn es mal nicht das erste Anzeichen ist. Ein kleines Stück Programmvorauswahl eines Deiner schmalen Fenster zur Welt gemäss dem, was Du als Käufer (und nur als solcher) sehen sollst.
tropfen

als Nachtrag:
In the Desert, A Drink of Mercy, Protest (washingtonpost.com) Aktive für die Rechte der Immigranten errichten Wasserdepots in der Wüste zwischen Mexiko und den USA.